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von Rennenberg

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Die Geschichte der Familie "von Rennenberg"


Auszug aus dem 1974 erschienen Festbuch:





Die Veröffentlichung dieses Artikels auf unserer Website erfolgt mit freundlicher Genehmigung
von Herrn Dr. Dr. Ulf Lind.



Das adelige Geschlecht von Rennenberg
Von Elli Lind


Burg Rennenberg war der Stammsitz eines nicht unbedeutenden Geschlechtes. Noch stehen die Ruinen des Bergfrieds mit zwei Geschossen, zwei Fenstern und einem von herabfallendem Trümmerschutt teilweise verdeckten gotischen Torbogen nach einem Spaziergang durch die umliegenden Wälder von Linz, Kretzhaus oder Notscheid aus vor uns. Vor dem Turm liegen die Reste von Wirtschaft- und Wohnhäusern und einem Kerker. Von letzterem sind die Mauereinsparungen noch zu sehen, in die man Balken zurückschieben konnte, die das Kerkertor verriegelten. Die Grundmauern sind mit Basaltsteinen hochgeführt. Das Wohnhaus war etwa 25 m lang. Seine Mauerreste liegen stufenförmig auf einer Hügelzunge. Der 10 m tiefe Wallgraben führte rund um die Bergkuppe. Auf einem vorgeschobenen Hügel vor der Südecke lag außerhalb des Burgfriedes und der Wallanlagen das Kapellhaus. Die Chornische ist heute noch deutlich erkennbar. Die beachtliche Zahl von zwei Bischöfen, zwei Äbten, neun Priestern, neun Äbtissinnen, sieben Nonnen und sechs Stiftsdamen, die das Geschlecht von Rennenberg durch die Zeiten hindurch der kölnischen Kirche stellte, zeigt die religiöse Verwurzelung. Der vorgelagerte Platz soll ein Friedhof gewesen sein1).

Als erster Rennenberger erscheint Gerrich (um 870) in den vorhandenen Urkunden. Man darf annehmen, daß dieser reich begüterte Edelherr und Lehnsträger ein direkter Vorfahr der heute noch lebenden Freiherren von Rennenberg ist. Nach ihm werden 903 Arnold, 907 Gerhard und 1010 Henricus von Rennenberg genannt. Von 1010—1206 schweigen sich die Urkunden und Regesten über die von Rennenberg aus. Erst bei der Gründung der Linzer Pfarrkirche 1206, die auf dem Grundstück einer von dem obengenannten Gerrich (Gerhard) gegründeten Kapelle erstand, wird mit Konrad von Rennenberg das Geschlecht wieder erwähnt. Von da an läßt sich das Geschlecht bis in die Gegenwart lückenlos nachweisen. Von seinen sieben Kindern ist Gerhard (1206—1249) bekannt als einer der größten Schenkgeber und Wohltäter der Abtei St. Katharinen. Aus seiner Ehe mit Benedikta von der Neuerburg gingen zwölf Kinder hervor. Davon treten fünf Töchter als Chorschwestern in die Abtei St. Katharinen ein. Als Dank für die empfangenen Wohltaten erhalten Gerhard und Benedikta von Rennenberg ihre Grabstätte vor dem Hochaltar. Die einzige noch vorhandene Erinnerung an diese Eheleute vermittelt die Grabplatte, die heute im Seitenschiff aufgestellt ist2).

Von Gerhards Söhnen setzt Rorich I. (1249-1285) die Stammfolge fort. In den Urkunden erscheint Rorich immer wieder als treuer Gefolgsmann der Kölner Kirche und seiner Lehnsherrin Mechthild Gräfin von Sayn. Aus seinen beiden Ehen entsprießen sechs Kinder, darunter Johann (1263-1296), der Chorbischof von Köln wird. 1282 ist er als Gesandter seines geistlichen Fürsten bei König Rudolf. In seinem Testament bedenkt er das Katherinenkloster und die Kirche zu Erpel, in welcher er begraben liegt. Johanns Bruder Hermann III. (1280-1331) gibt die Blutslinie an Rorich II. (1306-1352) weiter. Dieser lebt fort in Hermann V. von Rennenberg (1361-1386). Aus Hermanns V. Ehe sind acht Kinder bekannt. Sohn Bruno wird von 1368 - 1380 als Abt zu Werder an der Ruhr beglaubigt, und an Wilhelm I. (1379-1409) geht die Nachfolge seines Vaters Hermann V. Wilhelm I. hat drei Kinder; die beiden Mädchen nahmen den Ordensschleier, und mit Rorich II. (1409-1469) nimmt das Geschlecht seinen Fortgang. Er ist einer der markanten Gestalten für Linz. Von ihm liegt im St. Columba-Archiv in Köln ein eigenhändig geschriebenes Zinsregister der Herrschaft Rennenberg für das Jahr 1415 auf. Da schon im 14. Jahrhundert die Seitenlinien erlöschen, kann Rorich III. alle Besitzungen in seiner Hand vereinigen. Aus seiner Ehe mit Katharina von Schleiden geht ein Kind hervor, Hermann VI. (1435-1471), der der Stifter des 56 cm hohen und 48 cm breiten Tafelbildes ist, das den Gekreuzigten mit Maria und Johannes am Kreuz anlehnend die Wappen von Rennenberg und von Erbach, daneben links Hermann VI. mit Sohn und drei Töchtern und rechts seine Gemahlin mit zwei Töchtern zeigt3).

Im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert finden wir mehrere Rennenberger als Deutsch-Ordens-Ritter, wovon sich drei an der Kolonisation Ostpreußens beteiligen: 1371 Rorich als Deutsch-Ordens-Meister in Mohrungen, zur gleichen Zeit Heinrich als Vogt zu Roggenhausen und 1489 Konrad als Kellermeister in Preußisch-Holland, das heißt als Beamter und Verwalter der Naturalabgaben der Bevölkerung4).

Infolge verwandtschaftlicher Beziehungen mit fast dem gesamten mittelrheinischen Adel, die infolge der Endogamie in engen Standesschranken notwendig entstanden, finden wir die Rennenberger auch als Vorfahren des gesamten deutschsprachigen Adels bis in die Fürsten- und Königshäuser hinein.
Hermanns VI. Sohn und Erbe war Wilhelm II., Herr zu Rennenberg, Winterburg, Zuylen/Niederlande und an anderen Orten. Aus zwei Ehen hatte er 13 Kinder. Er verfügt allein in der Herrschaft Winterburg bei Rheinbach über einen Grundbesitz von 1532 Morgen, dazu kommen die Besitzungen in Linz und Umgebung sowie die Liegenschaften in Geldern und Brabant, die ihm durch seine Heirat mit Cornelia von Kuylenburg zufallen. Sechsundsiebzigjährig stirbt er am 18. Juli 1546 in Zuylen. Der damaligen Sitte entsprechend werden sein Herz in der Kapelle dortselbst, die anderen inneren Organe in


Eva von Rennenberg, ge.28.02.1518 und ihr Gemahl Tido von Inn- und Knyphausen, gest. 1567

Eva von Rennenberg, geb. 28.2.1518, gest. 8. 11.1579 und
ihr Gemahl
Tido von Inn- und Knyphausen, gest. 1567

Burgruine Rennenberg um 1974

Burgruine Renneberg bei Linz


Westbroeck und sein Leichnam in Ostbroeck beigesetzt. Seine Grafschaft bei Valkenburg, unweit von Maastricht a. d. Maas, erhält ihm zu Ehren und zum Gedächtnis den Namen Rennenberg. Er ist der Stifter der im Zweiten Welt-krieg zerstörten Kreuzigungsgruppe in St. Katharinen, die um 1530 von Hans Backoffen im Renaissancestil geschaffen wurde, und der Erweiser vieler Wohltaten an dieses von Gerhard von Rennenberg im Jahre 1208 gestiftete Kloster. Im ausgehenden Mittelalter verlegt er seinen Wohnsitz in die Niederlande5).

Aus seiner Nachkommenschaft soll hier in kurzer Form seiner Tochter gedacht werden, die fern der namensgebenden rheinischen Burg als Landesherrin in Ostfriesland eine Persönlichkeit mit starker Ausstrahlungskraft wurde und sozialen Fortschritt verwirklichte: Eva von Rennenberg. Am 28. Februar 1518 kam sie als elftes Kind Wilhelms II. zur Welt. Eva schloß am 5. Januar 1546 in Bischofskempen mit Tido von Inn- und Knyphausen den Ehevertrag. In diesem hieß es: "Die Eheleute wollen die Zeit ihres Lebens einander liebhaben und liebbehalten". Ihre Ehe war voller Unruhe. Noch im Jahre der Eheschließung trat Tido im
schmalkaldischen Kriege mit einem eigenen Truppenkontingent unter dem Landgrafen von Hessen auf die evangelische Seite, was den endgültigen Bruch mit der kath. Kirche besiegelte. Ihrem Lebensbund mit Tido entsprossen vier Kinder, davon sind drei mit Namen bekannt: Wihlem, Icco und Bindelef. Nach dem Tode ihres Mannes ließ Eva vor dem Altar der Hauptkirche in Accum das heute noch vorhandene Grabdenkmal setzen, das aus schwarzem belgischen Marmor gemeißelt ist und ein Beispiel bester flämischer Porträtplastik im Renaissancestil darstellt. Nach dem Tode ihres Mannes führt sie an Stelle ihrer minderjährigen Kinder die Regentschaft über ihre Herrschaft in Ostfriesland. Dabei milderte sie in ganz entscheidender Weise das Los der leibeigenen Bauern, indem sie alle Frondienste bis auf die Heeresfolge aufhob. Eva von Rennenberg, Frau zu Inn-und Knyphausen starb am 8. November 1579 einundsechszigjährig. Ein inhaltsreiches Leben voller Kummer, Pflichten und Erfolge hatte sich erfüllt6).

Evas Schwester Anna ist alleinige Erbin der Rennenberger Güter. Aus ihrer Ehe mit Philipp von Lalaing, Graf zu Hoogstraaten, entsprießt die TochMarie-Gebriele, die sich mit Karl Florentin Wild- und Rheingraf von Daun und Kyrburg vermählt und das Erbe an ihren Sohn Heinrich Gabriel, Wild- und Rheingraf zu Kyrburg (1674-1716) weitergibt. Ihm folgt sein Sohn Philipp Joseph (1701-1779), der durch Kaiserliches Edikt vom 17. Mai 1743 als von Salm-Kyrburg-Leuze gefürstet wird. Fürst Philipp Joseph hinterläßt den Sohn Friedrich III., vermählt mit Johanna Franziska Prinzessin von Hohenzollern-Sigmaringen. Ihn ereilt ein tragisches Geschick. Von den Franzosen verdächtigt, den Preußen Mitteilungen verraten zu haben, wird er zum Tode verurteilt und am 23. Juli 1794 mit der Guillotine hingerichtet. Die Stammfolge wird fortgesetzt von Friedrich IV. Sein Nachfolger und Sohn Friedrich V. vermählt sich mit der Herzogstochter Eleonore de la Tremoille. Ihnen wurde am 3. August 1845 der Sohn Friedrich VI. geboren. Seine glückEhe mit Luise Le Grand, geadelte Freiin von Eichhof, wurde mit sechs Kindern gesegnet7).

Bis zum 13. Dezember 1810 waren die Salm-Kyrburger reichsunmittelbare Landesherren gleich den Fürsten zu Wied. Nur der Kaiser und das Reichsgericht hatten nach dem Fürstenrecht die Möglichkeit, in das Familienrecht des hochadeligen Hauses einzugreifen. Zwölf Jahre nach dem Tode Friedrichs VI. unterzeichnete Kaiser Wilhelm II. am 1. März 1917 im großen Hauptquartier zu Kreuznach die Urkunde, womit die Fürstinwitwe wegen ihrer nicht standesgemäßen Geburt und zugleich die Nachkommen in den Freiherrenstand versetzt wurden und den Namen von Rennenberg zurückerhielten8).

Eine erwähnenswerte Tat des nächsten Familienoberhauptes, Major Maximilian Freiherr von Rennenberg, ist, daß er im Zweiten Weltkrieg beim Rückzug aus Frankreich die Zerstörung von Paris verhindern half. Diese Handlung anerkannte die französische Besatzungsmacht, indem sie bei seinem Tode am 19. April 1948 militärische Ehrungen gestattete. Seine Gemahlin Mathilde Freifrau von Rennenberg, geborene Reichsfreiin von Fürstenberg-Hugenpoet, Altherrin auf Schloß Rennenberg, unterstützte tatkräftig und uneigennützig im Frühjahr 1945 die von den kriegerischen Kampfhandlungen schwer betroffenen Familien in Linz und Umgebung. Ferner ließ sie das oben erwähnte wertvolle Rennenbergerbild, das 1470 im Renaissancestil gemalt wurde und sich zur Zeit im katholischen Pfarrhaus in Linz befindet, restaurieren und rahmen9).

Ein weiterer Zweig des mehr als elfhundert Jahre alten Geschlechtes der Freiherren von Rennenberg lebt auf Gut Arienheller bei Rheinbrohl. In dem Besitzer des Gutes Robert Freiherr von Rennenberg (1889-1950), verehelicht mit Clotilde Gräfin von Marchant und Ansembourg (*1891), und seinem Bruder Maximilian Freiherr von Rennenberg in Linz sprießt der alte Familienname von Rennenberg in ihren Kindern und Kindeskindern weiter10).

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Anmerkungen:

1), 2), 3) Sammlung Ernst von Oidtmann. Mappe Rennenberg, Universitätsbibliotek, Köln.Möller, Walter: Stammtafeln Westdeutscher Adelsgeschlechter, Darmstadt 1951

4) Mitteilung von Joseph Baum vom 18. 6. 1971: Rheinischer Antiquartus, Bd. 7 Abtlg. III.
Staatliches Archivlager Göttingen, Ordensbriefarchiv Nr. 17939, 18176-18178. 18323, 18567, 18586;
Oberländische Geschichtsblätter H. 2 /1900, S. 31. 33

5), 6) Bolenius, Hans: Wer war Eva von Rennenberg? In: Quellen und Forschungen zur Ostfriesischen Famlien- und Wappenkunde, Aurich 1972, Heft 2

7) Offermann, Franz: Geschichte der Stadt Kirn, Kirn 1900

8) Sammlung Ernst von Oidtmann, Mappe Rennenberg, Universitätsbibliothek, Köln

9), 10) Mündliche Überlieferungen


Literatur:

Lind, Elli:
Die einstigen Besitzungen der Herrschaft Rennenberg. In: Heimatkalender 1966 des Landkreises Neuwied, S. 61-6

Die Freiherren von Rennenberg. Geschichte eines rheinischen Geschlechts, Köln 1968. Sonderausgabe der
Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde

Die Geschichte der "Steckkuhl" zu Leubsdorf. In: Heimatjahrbuch 1973 des Landkreises Neuwied, S. 105-110.

Zur Sippenkunde adeliger Familien im Kreis Neuwied.
Unveröffentlichtes Manuskript.

Podlech, Wilfried:
Besitz auswärtiger Klöster und Stifte in Linz während des Mittelalters.
In: Heimatjahrbuch 1973 des Landkreises Neuwied, S. 72-77

Die Beziehungen der Edelherren von Rennenberg zu Stadt und Pfarrei Linz.
In: Heimatjahrbuch 1974 des Landkreises Neuwied, S. 67-72

Schmitz, Adalbert:
Die Herren von Burg Rennenberg. In: Rhein-Zeitung, Ausgabe Neuwied, vom 17. und 18. Januar 1966

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